Fragen zur Kaffeekultur

19. Juni 2009 · Artikel drucken

Arne Preuss vom Barista-Blog “coffeeness.de” hat zu einer Blogparade zum Thema Kaffee-Kultur aufgerufen. Da mache ich natürlich gerne mit. Hier sind die Fragen:

Gehört die Zubereitung für dich mit zur  Kaffeekultur oder ist sie nur Mittel zum Zweck?

Für den privaten alltäglichen Kaffee ist die Zubereitung eher Mittel zum Zweck. Ausnahmen sind die besonderen Kaffee-Momente, wenn es beispielsweise darum geht, Gäste zu bewirten oder eine neue Sorte angemessen zu testen. Dann wird natürlich ein wenig mehr Aufwand betrieben.

Beim Kaffeegenuss außer Haus magich allerdings die aufwändige Zubereitung. Dann freue ich mich zum Beispiel über eine nett angerichtete Crema, kreative Dekos oder pfiffige Beigaben. Perfekt ist es, wenn man dann auch noch bei der Zubereitung zuschauen kann und sieht, dass es mit Spaß und Leidenschaft geschieht.

Welche Wirkung hat Kaffee auf dich?

Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort. Von der ersten Tasse, ohne die der Tag nicht beginnen kann, über die permanente Begleitung am Schreibtisch bis zum Espresso nach dem Abendessen, haben viele Tassen eine andere Wirkung. Allen gemeinsam ist sicher die aufmunternde Wirkung.

Hinzu kommen dann weitere, die von Situation und Stimmung abhängig sind. Das reicht von der gezielt für ein Telefonat zubereiteten Kommunikations-Tasse über den reinen Genuss-Kaffee zur Pausen-Zigarette bis hin zur klassischen Kaffee-Kuchen-Tasse. Vielleicht ist das Kaffeetrinken mit dem Rauchen vergleichbar. Nur wenige Zigaretten werden bewusst geraucht und wirklich genossen, der Rest passiert irgendwie automatisch. Kennt eigentlich jemand den Kaffee danach?

Kaffeekultur oder Subkultur, sind Kaffeekapseln, Kaffeepads und Instantkaffes auch Teil der Kultur?

Je höher ein Kaffetrinker auf der Genießer-Leiter steht, desto mehr scheint er Kaffeepads, Kapseln und Instantkaffee sowieso zu verachten. Es soll ja sogar Kaffeekenner geben, die eine Tasse heißes Wasser für wertvoller halten, als einen Kaffee aus der Senseo-Maschine. So scheint die weit verbreitete Meinung zu sein. Aus zwei Gründen halte ich das für Quatsch.

Erstens schmeckt Kaffee aus Senseo, Nespresso & Co. um Längen besser, als die Brühe, die aus der Haushalts-Kaffeemaschine tröpfelt und stundenlang auf einer Heizplatte vor sich hin „bittert“ oder den Weg in eine Isolierkanne findet, aus der er dann handwarm serviert wird. Viele werden es vergessen haben, aber das galt noch vor zehn Jahren als der Inbegriff des Kaffeetrinkens in Deutschland.

Hinzu kommt der bewusstseinsbildende Aspekt. Ich denke, dass Kaffee ohne Pads und Kapseln den Schritt vom einfachen Heißgetränk zum Kult- und Genießergetränk nicht so schnell geschafft hätte. Jeder hat heute mit einfachen Mitteln Zugriff auf Kaffeespezialitäten, die es vorher nur in Kaffeehäusern gab. Das weckt Begehrlichkeiten und schafft Kaffee-Bewusstsein. Und in vielen Fällen wird die Senseo-Kultur nur der Einstieg in die Karriere als „echter“ Kaffee-Genießer sein. Der Pad-Kapsel-Maschine folgen dann oft Vollautomaten oder Siebträger. Die Frage der völlig überzogenen Preise für Senseo & Co. lasse ich hier mal unbeachtet, das ist ein Thema für sich.

Welche Veränderungen würdest du dir für die Kaffeekultur im deutschsprachigen Raum in den nächsten Jahren wünschen?

Grundsätzlich sehe ich die Kaffeekultur in Deutschland auf einem guten Weg. Sie steckt zwar noch in den Kinderschuhen, aber der Boden ist bereitet. Immer mehr Menschen entdecken den Kaffee als echtes Genussmittel. Dass Starbucks & Co. einen großen Anteil an dieser Entwicklung haben, mag man bedauern. In ihrem Schatten finden aber auch zunehmend kleine Coffeeshops und Röstereien ihren Platz und besetzen Nischen, die sie mit erstklassigem Angebot und individuellem Service bedienen. Das ist klasse und ich wünsche mir, dass immer mehr Kaffeetrinker das honorieren.

Und da wir hier bei einer Blogparade sind, noch ein Internet-Wunsch: Im Sinne der Förderung der Kaffeekultur fände ich gemeinsame Aktionen von Kaffee-Seiten eine spannende Sache. Spontan fällt mir der peinliche Test der Stiftung Warentest ein. Die Aufmerksamkeit darum hätte man zum Beispiel mit einem „Gegen Einheitsgeschmack-Button“ gemeinsam nutzen können. Das nur als Anregung, Ideen gibt es sicher viele …

Was ist für dich ein absolutes Kaffee No-Go?

Das hängt natürlich vom Geschmack ab. Für mich persönlich geht gar nicht:

  • Zucker im Kaffee
  • Milch, es sei denn, sie ist aufgeschäumt
  • Koffeinfreier Kaffee
  • Cappuccino mit Sahne
  • Expresso mit X (gerne laut durchs Straßencafe gebrüllt)
  • Malzkaffee
  • Instantkaffee

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Kommentare

3 Responses to “Fragen zur Kaffeekultur”

  1. Arne on Juni 25th, 2009 15:11

    Ich wollte mich schon viel früher für deine Teilnahme bedanken, aber einer meiner Backenzähne hat mich in den letzten Tagen in die Knie gezwungen. Jetzt ist aber fast alles wieder gut! ;-) Schön dich an Bord zu haben.

    Gruß,
    Arne

  2. Die Kaffee-Blog-Parade ist ein Erfolg | Barista Blog on Juni 28th, 2009 20:28

    [...] Michael von Kaffee-Aktuell [...]

  3. Paula on September 16th, 2009 13:52

    Ist schon lustig, wie sehr die Meinungen beim Kaffee auseinander gehen. Ich würde niemals eine Tasse ohne Zucker und Milch zu mir nehmen.